Erscheinungsbilder Tristan … die einfache, unbelastete Denkweise meiner Tochter.

Tristan 40 Jahre, gelernter Schlosser, 10 Jahre Szeneshop-Inhaber. Meine Berufung ist das Verbinden von Kreativem und Sozialem – daraus soll in der Zukunft ein Verlag hervorgehen, der sich u.a. dem demokratischen Verhältnis von Mann und Frau in- und außerhalb der Familie widmet.

 

Fühlst du dich bewertet im Alltag, wenn ja warum?

Ja, wenngleich ich es nicht immer greifen kann. Ich weiß nicht, welches Bild ich meiner Tochter von mir mitgebe, weiß oftmals auch nicht, wie ich auf andere wirke, weiß aber sehr wohl, dass ich gewisser Positionen, Tabubrüche wegen als „radikal“ eingestuft werde. Wenn freie Meinungsäußerung, die Arbeit mit seriösen Quellen, mit unliebsamen, aber wissenschaftlich fundierten Studien, das Aufzeigen von Tabu´s als „radikal“ gelten, dann bin ich es gern.

Fühlst du dich angenommen im Leben?

Generell ja. Es gibt sicher Baustellen, wo das nicht der Fall ist und ich meine Konsequenzen ziehe, aber generell ist es für mich von hohem Wert, immer wieder in den verschiedensten Situationen Menschen kennen zu lernen, mit denen mich das kreative Aufbrechen von Konventionen, aber auch das kreative Aufbereiten von „Gegenwahrheiten“ verbindet. Und: bei denen auch ich Spuren hinterlasse.

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert die einfache, unbelastete Denkweise meiner Tochter. Mich inspirieren Menschen, deren Denken mit meinem harmoniert. Mich inspirieren urbane Kunst, Kunsthandwerk, Künstler und Autoren, Märkte, Ausstellungen, Festivals, abseitige Konzepte der Selbstverwirklichung und Sensibilisierung. Mich inspirieren farbige, deepe, mehrschichtige Formen von Kreativität, mit denen man Menschen tatsächlich erreicht und für sein Projekt, seine Idee gewinnt. Mich inspiriert der Gedanke, soziales Engagement mit kreativem Potential gewinnbringend zu verbinden. Gewinnbringend für alle Beteiligten, im Sinne von Partizipation.

Bist du zufrieden mit dir, deiner Umwelt, deinem Leben allgemein?

Es ist paradox: einerseits bin ich nie zufrieden, komme ich nie an, treibt es mich immer weiter, andererseits erfüllt mich bislang zutiefst, was ich tue, welchen Weg ich verfolge. Insofern gehe ich einen Weg, der mir Freude gibt und sich richtig anfühlt. Was meine Umwelt betrifft, hege ich desöfteren Zweifel. Ich habe die richtige Balance noch nicht gefunden zwischen Bewusstsein und Engagement für eine bessere Welt einerseits und einem Loslassenkönnen und Innehalten andererseits. Was meine Tochter insbesondere betrifft, sind da wahrscheinlich noch zu viele Zweifel an mir selbst als Vater, ob ich das richtige Bild vorlebe, die richtigen Werte.

Lebst du dein Leben nach einem Fahrplan?

Nein. In meinem Leben gab es zahlreiche Brüche, Augenblicke, in denen mir mitunter impulsive Fehltritte eine erweiterte Sicht gaben. Meine Lebensplanung ist nach wie vor offen und dem Herzblut meiner Ideen, meiner Selbstverwirklichung geschuldet. Oftmals sorgen Außeneinflüsse für einen Bruch, den Zwang, umzudenken. Allerdings zeichnet sich mittlerweile eine gewisse Stringenz ab, ein Masterplan, den ich gern erreichen würde. Nicht zuletzt würde ich mit 40 ganz gern auch mal ankommen.

Lebst du?

Ja und nein. Ja, weil ich mich trotz aller Widrigkeiten selbstverwirklichen kann, immer wieder Impulse austauschen kann mit Gleichgesinnten und Kreativen. Viel unterwegs bin, neue Ideen und Impulse aufsammeln kann. Und nein, weil ich die Zeit viel zu selten finde (oder mir nehme), mein Brainstorming und damit den Alltag auszuschalten, rauszufahren und durchzuatmen.

Möchtest du etwas bestimmtes in deinem Leben erreichen?

Weiterhin Menschen sensibilisieren für Problemfelder der Ausgrenzung in unserer Gesellschaft. Mein Manuskript über die Arbeit der Jugendämter und deren Schattenseiten erfolgreich fertig stellen. Und meine Vertriebs- und Verlagsgründung für Querkultur, urbane Kunst, kleine Manufakturen, Bewusstsein mit MitstreiterInnen erfolgreich absolvieren. Meine Qualifikation als Fachwirt erfolgreich abschließen und idealerweise daraus eine berufliche Profession mit Ziel des Aufbaus eines Schutz- und Interventionsobjektes für männliche Opfer häuslicher Gewalt aufzubauen.

Wofür bist du dankbar?

Für meine Tochter, für meine Freundin, meine Familie und einige richtig gute Freundschaften. Dafür, dass mit den Jahren der Ausgrenzung als Vater und meinem daraus resultierten Willen, um meine Vaterschaft zu „kämpfen“ eine enorme Kraft, ein enormer Ehrgeiz freigesetzt wurde, der mich einiges erreichen ließ.

Was ist Glück für dich?

Glück hat viele Facetten. Projekte erfolgreich abschließen, einen Waldweg gedankenverloren und openminded entlangspazieren, am Wasser sitzen, mit geliebten Menschen Ideen und Wünsche austauschen, die Körpersprache einer Frau studieren, eine Zugfahrt an einem Feld mit einem riesigen Schwarm Graureihern entlang, im Whiskyrausch diesem Fluss aus Emotion und Ideen hingeben, aber auch mal Schwachsinn mit Freunden labern.

Was macht dich anders?

Kann man diese Frage beantworten ohne vermessen zu klingen…? Vielleicht die Tatsache, dass ich bis heute bis auf Ausnahmen keinem klassischen 9 to 5-Job erlag und in nur wenigen Fällen abhängig war. Vielleicht die Tatsache, dass nach gedankenlos durchfeierten Jahren meiner Selbständigkeit mit Szeneshop nun auch einige jahrelange rosarote Wolken zu substanziellen, fruchtbringenden Ideen herangedeihen. Vielleicht mein Engagement gegen die Diskriminierung von ausgegrenzten Eltern (meist Vätern) samt aller Schattenseiten, vielleicht auch die daraus und aus meinen vorangegangenen Jahren entstandene Idee, Soziales mit Kreativem zu verbinden. 

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